Studie: Minimalistische Laufschuhe besser für die Achillessehne

Umkehrschluss: Schaden die stark gedämpften Laufschuhe?

Stark gedämpfte Sohlen, ausgestattet mit einer Carboneinlage innerhalb der Sohlenkonstruktion, scheinen eine Leistungssteigerung zu bewirken. Hintergrund ist der Bounce-Effekt, d.h. die Entfaltung der Energie erzeugt durch Biegung der Carbonsohle und der darauf folgende „Federungseffekt“, welcher den Abdruck unterstützt und somit zu einer größeren Schrittlänge beiträgt. Zudem soll die Ermüdung mit dieser Konstruktion hinausgezögert werden, da sich der Impact auf den Bewegungsapparat reduziert. Viele gute Argumente für den Einsatz dieser Schuhe im Rennen. Doch gilt das auch für das Training?

Meine völlig subjektive Beobachtung. Ich selber habe z.B. mit dem Nike Vaporfly ähnliche Erfahrungen gemacht, jedoch auch im Laufe des Trainings (ca. 40-50km Wochen-Umfang) gespürt, wie sich meine Lauftechnik veränderte (Erfahrungsbericht hier > KLICK, weiterer Artikel siehe auch hier > KLICK). So stagnierte meine Leistung nach anfänglichen Leistungszuwächsen, was ich darauf zurückführte, dass ich mehr und mehr in das weiche Bett des Schuhs „hinein fiel“.

Verlust aktiver Lauftechnik?

Ein Test mit einem eher minimalistischen Laufschuh zeigte mir dann unmittelbar die Folgen auf. So hatte ich nach einem moderaten 10-km-Lauf starke Beschwerden im Übergangsbereich des Wadenmuskels zur Achillessehne. Meine Lauftechnik hatte an aktiven Abdruck-Momenten verloren. Auch wenn das nur ein Einzelfall darstellt, so ist es doch interessant, die Auswirkungen der neuen Schuh-Generation genau im Blick zu behalten, vielleicht häufiger mit Minimal-Schuhen abzuwechseln und die Auswahl dann tendenziell bei schnellen Läufen oder Wettkämpfen zu treffen.

Beide Bauarten haben ihren Einsatzzweck

Mögliche Taktik? Carbon-Schuhe für den Wettkampf „ja“, doch für das Training eher „nein“? Eine durchaus zu diskutierende Möglichkeit, um aus beiden Modellen das Beste herauszuholen. Denn natürlich gibt es immer zwei Seiten der Perspektive. Insbesondere in diesem Fall.

Auf jeden Fall ein interessantes und natürlich – wie so oft – individuelles Thema. Deshalb habe ich nach einer weiteren Studie gesucht und bin fündig geworden. Ich fasse sie hier unten zusammen. Viel Spaß!

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Titel der Studie

Effects of 12-week transition training with minimalist shoes on Achilles tendon loading in habitual rearfoot strike runners

Autoren: Zhang, X., Deng, L., Yang, Y., Xiao, S., Li, L. & Fu, W. (2021)

Erschienen: Journal of Biomechanics, 128 (110807)

Zweck der Studie

Minimalistisch beschuhte Läufer berichten von besseren mechanischen Eigenschaften der Achillessehne (AT) aufgrund der erhöhten Belastung gegenüber den Läufern, die stärker gedämpfte Laufschuhe tragen.

Ziel der Studie

Diese Studie zielte darauf ab, die Auswirkungen eines 12-wöchigen Übergangstrainings von konventionellen Schuhen zu minimalistischen Schuhen auf die AT-Belastung bei gewohnheitsmäßigen Rückfußläufern zu untersuchen.

Methode

Siebzehn gesunde männliche Stürmer mit gewohnheitsmäßigem Rückfußlauf absolvierten ein 12-wöchiges Übergangstraining.

Sie wurden angewiesen, entweder in minimalistischen Schuhen mit Vorfuß-Schlagmuster (MIN + FFS, n = 9) zu laufen oder in minimalistischen Schuhen zu laufen, konnten aber ihr Laufmuster frei entwickeln (MIN, n = 8).

Ultraschallbilder wurden aufgenommen, um die Querschnittsfläche der AT zu bestimmen. Die Knöchelkinematik in der Sagittalebene und die Bodenreaktionskräfte wurden gleichzeitig aufgezeichnet, um die Knöchelgelenkmechanik und die AT-Belastung zu quantifizieren.

Ergebnisse

Der Abdruckwinkel nahm bei MIN + FFS nach dem Übergangstraining signifikant ab, was auf einen flacheren Fuß beim ersten Kontakt hinweist, während bei MIN keine Veränderungen beobachtet wurden.

Nach dem Training wurde ein signifikanter Anstieg des maximalen Plantarflexionsmoments für MIN + FFS (15,4 %) und MIN (7,6 %) beobachtet.

Signifikant erhöhte Spitzen-AT-Kraft, Spitzenbelastungsrate und Spitzenbelastung wurden nach dem Training in beiden Gruppen beobachtet. Insbesondere hatte MIN + FFS einen größeren Anstieg der maximalen AT-Kraft (20,3 % gegenüber 10,1 %), der maximalen Belastungsrate (37,2 % gegenüber 25,4 %) und der maximalen AT-Belastung (13,7 % gegenüber 8,1 %) als MIN.

Darüber hinaus gab es für beide Gruppen keine signifikanten Unterschiede in der Querschnittsfläche des AT, die vor und nach 12 Wochen Training beobachtet wurden.

Fazit der Autoren

Die Ergebnisse dieser Studie legten nahe, dass es nicht ausreichte, die morphologische Anpassung des AT zu fördern, aber die mechanische Belastung der Achillessehne wurde während des Laufens nach 12-wöchigem Übergangstraining mit minimalistischen Schuhen in MIN + FFS und MIN angepasst.

Vorläufige Ergebnisse zeigten, dass ein allmählicher Übergang zu minimalistischen Schuhen mit einem Vorderfuß-Laufmuster für die mechanische Belastung der Achillessehne (AT) von Vorteil sein kann