Meniskus-Teil-Resektion: Erfahrungen

Holger-Frontrunner6 Kilometer Laufen! Das hört sich nach nicht sonderlich viel an. Kann es aber sein, wenn man sich 3 Jahre lang mit Dauer-beschwerden plagt und in der Zeit eigentlich nicht einen schmerzfreien Lauf hatte. So ist es mir ergangen. Und vielleicht hilft dieser Kurzbericht dem ein oder anderen Sportkameraden.

Nach etlichen Verletzungen und Unfällen (u.a. ein Achillessehnen-Riss) bin ich durch eine Vielzahl von Folgeschäden und -überlastungen gegangen. Das machte mir das Laufen mitunter zur Qual, da ich spürte, wie gut der Motor eigentlich laufen könnte, dabei aber das Chassis überhaupt nicht mehr für diese Leistung bereit war.

So endeten all die Wiederherstellungs-Aktivitäten mit Teil-Erfolgen. Nun in der – hoffentlich – letzten Entscheidung: Teilentfernung des Innenmeniskus im Oktober 2015. Damit sollten nun alle Plagegeister entfernt sein. Auch mein behandelnder Arzt, Dr. Alex Mayer von der Aukamm-Klinik, zog ein positives Fazit dieses Eingriffs.

In den ersten 10 Wochen nach der OP sollten sich die Verbesserungen aber nicht so richtig einstellen. Zum Teil selbst verschuldet, da ich einfach viel Zeit am PC verbringen musste. Gift für das Knie. Auch die sanften Rad-Touren mochten nicht so recht helfen. Ausdauertraining ist im Regelfall auch nicht die Methode, die das muskuläre Korsett und damit die Stabilität sichert.

Mit dem Beginn der Schwimm-Camps auf Teneriffa hatte ich mir für den 4-Wochen-Aufenthalt im Dezember nun ein straffes Programm auferlegt: viele Rad-Trainings am Berg mit wirklich intensiven Intervallen, zum Teil als einbeinige Berg-Intervalle. Das Fazit ist schnell gezogen: nach allem, was ich in den vergangenen Wochen unternommen hatte (Kräftigung, Dehnung etc.) waren diese Intervalle, wenn auch kein Zuckerschlecken, das Beste was ich machen konnte. Die gute Dosierbarkeit dieses Trainings, in Verbindung mit dem hohen Kraftanteil und dem geringen Impact auf den Bewegungsapparat, brachten in diesen 4 Wochen den erhofften Schub.

Meine Empfehlung daher: nach der Wundheilung einer solchen OP möglichst bald auf´s Rad, sukzessive die Intensitäten erhöhen und aktiv die Berge (bzw. auf dem Ergometer die hohen Watt-Werte) nutzen, um die Muskulatur wieder zu aktivieren und zu stärken. Laufen erst dann, wenn Schmerzfreiheit erreicht ist.

Ein zweiter wichtiger Punkt: Die Lösung des Beuge-Reflex´. Dieser Schutzreflex lässt das Knie nicht mehr komplett zur Streckung kommen und sorgt für nachhaltige muskuläre Probleme. Gar nicht selten entstehen massive Fehlhaltungen, die man selber gar nicht realisiert. Einfache Übung: in der Sitzposition den Fuß auf einen Hocker abstellen und das Knie durchhängen lassen, so dass sich eine komplette Streckung im Kniegelenk ergibt. Gut dosiert, schmerzt das muskulär mitunter recht ordentlich, sorgt aber dafür, dass das Knie wieder in die volle Extension gelangen kann. Ein sehr wichtiger Aspekt bei der Wiederherstellung der normalen Bewegung! In meinem Fall hatte sich eine leichte Beugung im Hüftbereich manifestiert, die ich selber nicht registrierte. Bis ein Freund mich fragte, weshalb ich so gekrümmt laufen würde. 

Übungen an der Treppe (z.B. Abdruck nach aus Position mit durchhängender Ferse) helfen zudem, die Wadenmuskulatur und die Oberschenkelmuskulatur (z.B. Streck-Übungen über zwei Treppenstufen hinweg zur kompletten Bein- UND Hüftstreckung, gerne auch die Arme dabei in die Höhe strecken!) wieder aufzubauen.

Gestern nun der erste 6-km-Lauf ohne Beschwerden. So kann´s weitergehen! Mein Ziel: endlich auch ein aktiver Teil des Asics-Frontrunner-Teams zu sein. Bisher war ich dort ja eher in der passiven Rolle! Das soll sich nun ändern!

P.S.: Alle Tipps natürlich ohne Gewähr. Sie ersetzen nicht den ärztlichen Rat. Bitte suchen Sie im Zweifel Ihren Arzt auf.

9 Gedanken zu „Meniskus-Teil-Resektion: Erfahrungen

  • 30. Mai 2017 um 15:24
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    Früher war ich auch ein sehr großer Sportfan. Jeden morgen bin ich extra früh aufgestanden und bin meine Runden gelaufen, um mich auf der Arbeit fit zu fühlen. Unglücklicherweise kam es bei mir zu einem Meniskusriss, welches mir anfangs das Laufen nicht ermöglichte. Mit der Zeit gebe ich mein Bestes und versuche, mich wieder aufzurappeln.

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    • 6. Juni 2017 um 10:01
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      Hallo David, zum Glück bleiben ja zwei Disziplinen (+ Krafttraining), um in Schwung zu bleiben und die Voraussetzungen für ein Comeback zu schaffen. Viel Erfolg! VG Holger

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  • 21. September 2018 um 11:25
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    Ganz toller Artikel, vielen Dank dafür! Ich werde mich schnell möglichst mit meinem Arzt zusammen setzen um einiges besprechen. Der Artikel hat mir zu dneken gegeben. Gruß aus Hessen!

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    • 22. September 2018 um 10:45
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      Vielen Dank. Es freut mich, wenn ich Anregungen geben konnte.
      Wie immer sind dies natürlich auch sehr subjektive Erfahrungen. Dennoch kann man vielleicht für sich selber ein paar Ideen & Rückschlüsse ziehen. Das würde mich freuen!

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  • 19. April 2019 um 10:27
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    Hallo Holger.
    Bin gerade auf diesen etwas älteren Beitrag von Dir gestossen. Danke erstmal dafür! Habe gestern eine vergleichbare OP hinter mich gebracht. Was mich interessieren würde: Wie sehen jetzt nach drei Jahren Deine Langzeiterfahrungen nach der OP aus? Ich würde gerne noch viele Jahre Triathlon machen – bin aber etwas verunsichert, ob das viele Lauftraining für die Mittel- und Langdistanz vielleicht das falsche angestrebte Ziel ist. Würde mich über einen kurzen Erfahrungsbericht freuen.
    Beste Grüße
    Kay
    P.S.: das neue Buch “Schneller Schwimmen ist wieder klasse”. Meine ersten Pläne sind schon geschrieben. Hoffe, dass ich in zwei bis drei Wochen wieder ins Wasser darf.

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    • 26. April 2019 um 11:17
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      Lieber Kay,
      vielen Dank für deinen Kommentar. Gerne gebe ich dir meine Erfahrungen weiter.

      Nach nun drei Jahren bin ich komplett beschwerdefrei. Anfangs war das nicht ganz so, da ich wohl wegen der vorherigen Beschwerden bereits eine leichte Einseitigkeit in der Bewegung hatte.

      Mein Tipp: ganz wichtig ist es, dass du dir dein Bewegungsbild einmal genau ansiehst – auch der Abrieb an den Schuhsohlen gibt Aufschluss – um festzustellen, ob sich bereits Dysbalancen ausgebildet haben.

      Nächster Schritt: Krafttraining. Aus meiner Erfahrung war das Radfahren am Berg ein guter Beginn, um besonders den medialen, also inneren, Anteil des Oberschenkelmuskels aufzubauen, da er das Kniegelenk wesentlich stabilisiert.

      In Bezug auf die Aufnahme des Lauf-Training könnten Schuhe mit etwas mehr Dämpfung – ich habe extrem gute Erfahrungen mit ON Schuhen gemacht – helfen, um den Impact auf das Gelenk etwas zu reduzieren.

      Und zu guter letzt: überprüfe, ob sich nicht auf Dysbalancen in Bezug auf die Beweglichkeit ergeben haben. Ungünstig wäre ein ungleicher muskulärer Zug auf das Gelenk. Hier also mal einen Check machen und ggf. “nacharbeiten”.

      Ich hoffe, diese Erfahrungen helfen dir, um ganz schnell wieder Renn-Tempo zu erzeugen 🙂

      Viele Grüße
      Holger

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      • 30. April 2019 um 9:12
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        Hallo Holger.
        Herzlichen Dank für Deine ausführliche Rückmeldung. Ich bin jetzt in der zweiten Woche post-OP. Schwimmen geht wieder und sogar leichtes Krafttraining und lockere kurze Rolleneinheiten. Mein Physio ist auch ganz begeistert. Ich habe schon vor der OP sehr viel Krafttraining für die Beinstabilität gemacht. Wahrscheinlich kommt mir das jetzt zu gute. Bin jedenfalls guter Dinge. Etwas störend sind noch die Verdickungen an den OP-Nähten. Aber gut – nach einer Woche… Schauen wir mal, wie es weitergeht.
        Nochmal Danke und viele Grüße
        Kay
        P.S.: Bin auch mit On unterwegs. Für mich einfach gut.

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  • 24. Mai 2019 um 8:28
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    Ich bin auch geplagter Meniskus- Geschädigter. Nach vielen Jahren Ultra laufen, nun am 10.04 Op gehabt. Jetzt nach 6 Wochen war ich bereits 2 x Laufen was sehr gut ging, zwar jeweils immer mit Gehpausen nach 1000m, bzw. 2000m aber immerhin. Rad ging bereits sehr früh, habe ich auch forciert. In meinem Kraftraum zog nun ein Beinstrecker/Beinbeugergerät ein, um die Krafteinheiten auch so durchführen zu können, dass es was bringt. Der mediale Anteil lässt sich eben gut isoliert trainieren. Ob ich aber meinen Ultratrail im Oktober über 100km angehe, weiß ich noch nicht?

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    • 24. Mai 2019 um 8:31
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      Vielen Dank, Axel!
      Die Kommentare und damit verbundene Erfahrungen sind wirklich sehr interessant und sicherlich für viele Leser mit vielen Tipps versehen.
      Viel Erfolg wünsche ich dir – es sieht ja soweit nach optimaler Heilung aus.
      Viele Grüße
      Holger

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