DTU: Zwei Jahre verloren ?

Zufällig bin ich gestern auf den Ergebnislisten des Kitzbüheler Weltcups des Juni 2012 gelandet. Erstaunlicherweise lagen unter den insgesamt Top 3 (je männlich & weiblich), tatsächlich fünf (5!) von sechs der späteren Medaillengewinner der Olympischen Spiele in London 2012.

Kitzbühel 2012 / Herren: 1. A. Brownlee, 2. J. Brownlee, 3. J. Gomez

Kitzbühel 2012 / Frauen: 1. N. Spirig, 2. L. Nordén, 3. A. Hewitt

Es spricht also offensichtlich überhaupt nichts dagegen, zu mehreren Zeitpunkten der Saison konkurrenzfähig aufzutreten. Im Gegenteil: vielleicht ist das sogar das Geheimnis der Top-Sportler, die Form konsequent im Duell mit der härtesten Konkurrenz zu entwickeln. Und wie wird das nun im deutschen Triathlonsport gehandhabt?

2011: Konzentration auf das Qualifikationsrennen in London. Alle anderen Wettkämpfe dienen der Vorbereitung. Am Ende zwar drei Athleten qualifiziert, die in der Gesamtwertung des Weltcups jedoch so gut wie keine Rolle spielen. Aber: Ziel laut DTU und Trainern in 2011 voll erfüllt. Man kann sich die Saison also auch schön reden!

2012: Es gibt laut DTU und Trainerstab eigentlich nur ein Rennen in 2012! Olympia 2012 ist der Höhepunkt, alle anderen Rennen dienen der Vorbereitung (den Satz kennt man aus 2011). Ergebnis: Jan Frodeno überrascht mit einem sechsten Platz, die anderen Athleten trudeln in´s Ziel. Anstatt in den Wettkämpfen nach Olympia aufzutrumpfen, verschwindet der DTU-Kader in der Versenkung. Jonathan Brownlee dagegen gewinnt den Weltcup in Stockholm, Javier Gomez siegt beim Hy-Vee-Triathlon, Lisa Nordén ebenfalls und so weiter und so fort. So entwickelt man sich weiter!

Fazit: Es hat fast den Anschein, als hätte die DTU mit ihrem Kader zwei komplette Jahre verloren. Die irrwitzige Idee, immer nur auf einen Wettkampf zu setzen ist genauso unzeitgemäß wie unerfolgreich. Die anderen Nationen machen es vor.

Die deutschen Schwimmer machen es übrigens ähnlich: an alten Trainingszöpfen festhalten und der Weltelite hinterher zu schwimmen. Wäre doch schön, diese Tugenden endlich mal abzuschütteln!

11 Gedanken zu „DTU: Zwei Jahre verloren ?

  • 5. September 2012 um 10:37
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    Hallo Holger,
    du wirst z.B. Anne Haug und Steffen Justus nicht gerecht. In der Tendenz stimme ich zu, aber…

    A) Bei den Frauen war eine Medaille erreichbar (Ja, ja: Hätte, Wenn und Aber). Gescheitert ist dies aber am Festhalten am egoistischen Verhalten und realitätsfernen Zielerwartungen der Mannschaftskolleginnen.

    B) Steffen Justus hätte zusammen mit seinen Teamkollegen den Team-Sprint von Stockholm easy gewonnen, wenn er nicht zweifach gestürzt wäre.

    Nur zwei Bsp., die deinen zu pauschalen Artikel relativieren.

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    • 5. September 2012 um 15:24
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      Hallo Kai,

      um den Kern der Lage anzusprechen, kommt man an Pauschalisierungen manchmal nicht vorbei. Das ist mir bewusst und wird natürlich nicht jedem Sportler gerecht.

      Im Vergleich mit vielen anderen Nationen ist dieser pauschale Vergleich m.E. zulässig. Mir geht es ja auch nur darum aufzuzeigen, was vor allem die Spitzensportler anderer Nationen machen: sich der Konkurrenz stellen, wo es nur möglich ist. Und fast immer auf einem hohen Niveau.

      Das deutsche System der Konzentration auf ein Event ist einfach nicht zeitgemäß. Weder trainingstechnisch noch in Bezug auf eine gute Medialisierung der Sportler und des Sports. Das Thema ist ja doch recht komplex und kann in einem kleinen Blog sicher nicht ausreichend gewürdigt werden!

      Vielen Dank für deine aktive Teilnahme !!!!

      Viele Grüße
      Holger

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  • 5. September 2012 um 10:43
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    P.S.: Ja. mir ist bewusst, dass sich Anne außerhalb der Kaderstrukturen in einem internationalem Team des ehemaligen AUS-Trainers qualifiziert und damit durchgebisssen hat 🙂

    Mein Eindruck ist vielmehr, dass es nicht die Strukturen sind, sondern der Hunger der Athleten und der Willen sehr, sehr viel dem sportlichen Ziel unterzuordnen. Dies ist verbunden mit allen Vorteilen und Risiken (Stichwort: Duales Fördersystem des DOSB mit Sport & Ausbildung, etc.) der Knackpunkt: “ein sattes Pferd springt nicht.” Nicht falsch verstehen, die gezeigte Leistung verdient meinen Respekt, sie ist aber international nur bei 2-3 Athleten (Haug, Frodeno, Justus) derzeit international konkurrenzfähig.

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  • 10. September 2012 um 19:16
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    Ich bin jetzt sport- und förderungspolitisch nicht wirklich auf dem Laufenden, aber rein aus dem, was ich in der Olympiaberichterstattung und im Vorfeld vom Ruderachter gehört habe, funktioniert das Leistungsprinzip doch auch in Deutschland ganz gut. Wenn teamintern schon mal ein knallharter Wettkampf um die Plätze herrscht und sich dann das Team noch internationalen Herausforderungen stellen muss, dann wird das doch auch langfristig was.

    Und warum sollte im Ernstfall Triathlon nicht der schwächere Läufer seinen Teamkameraden auf dem Rad nach vorne fahren, um diesen dann “für Deutschland” besser positionieren zu können? Ob dann für den, der sich aufopfert, nun der 16. oder der 31. Platz dabei rausspringt spielt dann auch keine Rolle mehr, wichtig wären für den schnellen Läufer dann die 31 Sekunden (Platzierungen und Zeiten basierend auf realen Ereignissen der jüngsten Verganenheit).

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    • 11. September 2012 um 8:28
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      Die Idee haben die Briten ja umgesetzt. Stuart Hayes wurde genau nach diesen taktischen Gedanken ausgewählt und hielt das Tempo beim Radfahren hoch.

      Ob die Athleten als Individualsportler so etwas mitmachen? Da bin ich mir nicht ganz so sicher.

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  • 12. September 2012 um 6:02
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    Wenn andere Nationen aber mit dieser taktischen Einstellung an den Start gehen und damit Erfolg haben, wäre es doch im Sinne der Triathleten (sowohl der einzelnen Athleten, als auch des Verbands), sich das auch mal zu überlegen.
    Wenn es damit gelingt nur einen vorne zu platzieren, stimmt die Presse -> Aufmerksamkeit -> Sponsoren/Förderung für die gesamte Sportart!
    Und das Image des einzelnen erleidet m.M.n. auch keinen Schaden, wenn von vornherein klar ist, dass das der Job war! Der- oder diejenige können sich dann ja im Weltcup usw. entsprechend darstellen.
    Als Einzelner kommt man gegen ein Team nicht an. Ich bin selber gelegentlich Radrennen gefahren. Selbst gegen ein Zweierteam haben Einzelkämpfer keine Chance.

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    • 12. September 2012 um 14:09
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      Ich gebe dir zum Teil Recht. Ich kann aber auch verstehen, wenn jeder Athlet seine Chance suchen möchte. Unabhängig davon, ob das für das Team-Ergebnis Sinn macht. Sehr schwieriges Thema, glaube ich!

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    • 14. September 2012 um 7:57
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      Die Pressemitteilung der DTU vom 13.9. ist zu diesem Thema sehr interessant. Im Grunde genau die angesprochenen Punkte. Mal sehen, ob es Änderungen geben wird!

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  • 14. September 2012 um 8:09
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    Find’ ich gut. Es bleibt spannend, wann/wie die DTU die Punkte, an denen Verbesserungen ansetzen könn(t)en aktiv angeht.

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