Radfahren: die optimale Trittfrequenz finden

Wo liegt die individuell beste Trittfrequenz beim Radfahren

Immer wenn es Ausdauersport um die Erzeugung von Vortrieb, also Tempo, handelt, spielen die Hebel eine entscheidende Rolle. Im selben Zusammenhang muss aber zugleich die Frage erörtert werden, in welcher Bewegungsfrequenz diese Hebel im Idealfall bewegt werden sollen.

Ist die Frequenz zu niedrig, benötigt man pro Bewegungszyklus mehr Kraft als wenn man sich häufiger bewegt. Das spürt man besonders deutlich, wenn man in der Steigung, also am Berg, fährt und die verschiedenen Freuqenz-Modi ausprobiert.

Deshalb ist die Klärung der Frage wichtig, wo die individuell optimale Bewegungsfrequenz liegt. Erinnern uns an die beiden Kontrahenten Lance Armstrong und Jan Ullrich, so erkennt man, wie unterschiedlich und zugleich genauso erfolgreich die Strategien waren. Im Schwimmen gibt es ähnliche Beispiele über die 1.500-Meter-Strecke.

Klick > Was ist besser über 1.500 Meter? 900 oder 1.200 Züge?

Ebenso spielt die technische und koordinative Qualität der Ausführung eine tragende Rolle. Unter dem Begriff “des runden Tritts” wurde schon oft diskutiert, ob das Ziehen der Pedale wirkungsvoll ist oder nicht.

KLICK > Artikel: Gibt es den runden Tritt?

Titel der Studie

The generalized force-velocity relationship explains why the preferred pedaling rate of cyclists exceeds the most efficient one

Das allgemeine Kraft-Geschwindigkeits-Verhältnis erklärt, warum die bevorzugte Trittfrequenz von Radfahrern die effizienteste ist

Autoren

Kohler, G. & Boutellier, U. (2005). in: European Journal of Applied Physiology, 94 (1-2), 188-195. 

Inhalt der Studie

Die effizienteste Trittfrequenz (geringster Sauerstoffverbrauch) bei einer Arbeitsbelastung von 50-300 W liegt im Bereich von 42-60 Umdrehungen/min.

Im Gegensatz dazu bevorzugen die meisten Radsportler eine Trittfrequenz von mehr als 90 U/min.

Der Grund für diesen Unterschied ist noch unbekannt.

Wir gehen davon aus, dass die von Radfahrern bevorzugte hohe Trittfrequenz durch die inhärenten Eigenschaften der Muskelfasern erklärt werden kann.

Methode

Um Aussagen zu erhalten, die nicht von Muskelquerschnitt und -länge abhängen, haben wir die charakteristischen Gleichungen von Hill verallgemeinert, in denen Muskelkraft und Wärmefreisetzung mit der Verkürzungsgeschwindigkeit in Beziehung stehen. Eine Trittfrequenz von f (etamax) führt zu maximaler Effizienz, während die höhere Trittfrequenz f (Pmax) zu maximaler Leistung führt.

Das Verhältnis f (Pmax)/f (etamax) zwischen diesen beiden Trittfrequenzen reicht von 1,7 bis 2,4 und hängt von der Zusammensetzung des Muskelfasertyps ab. Bei Sprints und Wettkämpfen von sehr kurzer Dauer ist f (Pmax) vorteilhafter, da die Energiezufuhr nicht der dominierende limitierende Faktor ist. Der Preis für die stärkste Trittfrequenz ist eine geringere Effizienz und höhere Energiekosten.

Bei längeren Belastungen ist Sparsamkeit wichtiger und die optimale Trittfrequenz verschiebt sich in Richtung f (Etamax). Wir schließen daraus, dass die optimale Trittfrequenz, die die schnellste Rennleistung darstellt, nicht festgelegt ist, sondern von der Renndauer abhängt; sie liegt zwischen f (etamax) und f (Pmax).

Fazit der Autoren

Unsere Ergebnisse sind nicht nur für Radsportler interessant, sondern auch für Untersuchungen mit Fahrradergometern: Die maximale Leistung wird möglicherweise nicht erreicht, wenn eine Trittfrequenz nahe der effizientesten verwendet wird.