swim 34: Renntaktik – Warum negativ positiv sein kann.

Für die neue Ausgabe der swim habe ich mich mit dem Thema der Renntaktik beschäftigt. Dabei gibt es nämlich eine interessante Vorgehensweise bei Strecken an 400 Meter Länge. Oft wird dort die zweite Rennhälfte schneller geschwommen als die erste!

Wie geht das? Warum macht das Sinn? Sollte man das als Mittel- und Langestreckler (auch als Triathlet) ganz bewusst trainieren? Antworten gibt es im Artikel.

Eine kleine Leseprobe:

Negative Splits für eine positive Renngestaltung

Negative Split – das klingt im ersten Moment gar nicht so gut. Dabei steckt dahinter sowohl eine wirkungsvolle Rennstrategie wie auch Trainingsform.

Von Holger Lüning

3:53,90 Minuten – 3:56,37 Minuten – 3:53,46 Minuten – 3:51,41 Minuten. Diese 400-Meter-Abschnitte absolvierte Florian Wellbrock bei seinem furiosen 1.500-Meter-Sieg in Glasgow, der ihn 2018 zum neuen Europameister machte. Der Tempoverlauf in den einzelnen Rennsegmenten könnte optimaler nicht sein. Ein schneller aber nicht übertriebener Start, eine anschließende Phase der Konsolidierung, gefolgt von einer taktisch geprägten Erhöhung der Geschwindigkeit bis hin zum Showdown und der finalen Rennphase mit dem Freisetzen der letzte Reserven. Perfekt!

Hinter den nüchternen Zahlen versteckt sich nicht nur eine ausgeklügelte Rennstrategie. Die Abschnitte dokumentieren die Bedeutung einer optimalen Einteilung. Denn nur wenn es gelingt, die leistungsrelevanten Parameter richtig einzuschätzen und einzusetzen, gelingt am Ende das, was sich jeder einmal wünscht: das optimale Rennen zu schwimmen und sich damit die Belohnung für alle Trainingsstrapazen abzuholen.

Doch wenn man einmal ehrlich ist, kommt es leider viel zu häufig vor, dass man im Überschwang der Gefühle – Aufregung, Erwartungen und auch Leistungsdruck – ganz anders an das Rennen herangeht, als man es sich eigentlich vorgenommen hat. Nach dem Rennen ist man dann häufig etwas schlauer und muss dennoch realisieren, dass man vielleicht eine große Chance vertan hat.

Renntaktik, auch Pacing genannt, sollte demzufolge auch im Training stets eine tragende Rolle einnehmen. Denn nur, was im Training eingehend geübt und einstudiert wurde, kann schließlich auch im Wettbewerb erfolgreich umgesetzt werden. Eine Trainingsform, die viele positive Effekte vereint, ist das Training mit negative-splits. Hinter diesem Begriff versteckt sich das, was Europameister Florian Wellbrock erfolgreich ins Wasser gebracht hat – das Steigern des Tempos mit zunehmender Renndauer.

Weltrekorde und Zwischenzeiten – Männer, 50m-Bahn:

Strecke     Name                            Endzeit                      1. + 2. Rennhälfte

400m         Paul Biedermann   3:42,00 Minuten      1:51,02 + 1:50,98 Min.

800m         Zhang Lin                 7:32,12 Minuten      3:46,79 + 3:45,33 Min.

1.500m      Sun Yang                 14:31,02 Minuten    7:16,15 + 7:15,87 Min.

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