Gravel-Bike: Radfahren 2.0?

Meine Erfahrungen mit dem Canyon Grail CF SL 8.0

Weit über 100.000 Kilometer bin ich nun in all den Jahren mit dem Renn- oder Triathlonrad gefahren. Und – das kennst du vielleicht auch – die meisten Kilometer davon in der Umgebung des Wohnortes. Das Ergebnis wurde im Laufe der vergangenen Jahre immer ernüchternder. Die Trainingsfahrten – denn es sind zwangsläufig irgendwann keine Entdeckungsfahrten mehr – reduzieren sich auf ein paar wenige Strecken. Drücken und “Schnitt machen” ist dann meist die Devise.

Wer als Berufstätiger “nebenher” noch etwas trainieren möchte, der findet Gefallen daran, sein Training auch zeitlich kalkulieren zu können. Somit selektieren sich die Runden auf die, die man zeitlich abschätzen und auch untereinander vergleichen kann. Das macht trainingsmethodisch durchaus Sinn, der Spaß an der Fortbewegung nimmt aber doch mit der Zeit ab. Ein normaler Vorgang, den du vielleicht auch kennst.

So ist es auch mir geschehen. Hinzu kam zunehmend der Unwille, mich mit über-motivierten und gelegentlich geistig unter-motorisierten Autofahrern auseinanderzusetzen. Deshalb besser auf das Mountainbike und ab in den Wald? Ja, ich liebe das MTB und das Radfahren in der Natur … doch einzig fehlen die Berge mir.

Das Beste aus zwei (Rad-)Welten?

Speed auf der einen Seite, der Wunsch nach einem Naturerlebnis auf der anderen Seite. Dieser Wunsch hat mich jahrelang, oder sogar noch länger, beschäftigt. Und plötzlich erschien es: das Gravelbike, die Symbiose aus beiden Welten. In Form des Canyon Grail CF SL 8.0 schien es mir fast die einzige Variante des Radfahrens, die mich wieder zurückbringen würde, mir das Lächeln wieder ins Gesicht zaubern würde! Ab in den virtuellen Warenkorb und auf “bestellen” geklickt. So einfach kann das heutzutage sein.

Überall Zuhause – Gravel-Bike

Und dann war es da. Alles im Karton, was es braucht (Werkzeug inklusive) und nach ca. 60 Minuten hatte ich das Rad aufgebaut. Da stand es nun, fahrbereit – und es kribbelte in mir. Nagelneue Räder üben eine unglaubliche Faszination aus. Das Kind im Manne (und sicher auch in der Frau).

Warum dies kein Test sein kann

Ein breites Grinsen erstreckt sich über mein Gesicht. Ich sitze wie auf einem Custom-Made-Rad, alles passt, die breiten Reifen fühlen sich gut an – wenn auch ungewöhnlich. Allein die unbändige Freude, über den Schotter zu donnern, sorgt dafür, dass man über solch ein Rad einfach keinen Testbericht abgeben kann. Es kann eben nur ein Erlebnisbericht sein. Doch vielleicht ist das sogar mehr als ein objektiver (gibt´s den überhaupt?) Test verrät. Denn abseits der technischen Betrachtung, gibt es ein Merkmal, welches weit über allen Zahlen, Daten und Fakten steht: die Freude am Fahren.

“Ich denke wieder!”

Ich will es kurz machen. Das Gravel-Bike, wie diese Gattung Rad heißt (Gravel = Kies), ist aus meiner Sicht fast wie eine Rettung. Da sich die Berge in meinen Breitengraden (Teneriffa-Aufenthalte aussen vor genommen) an den Fingern einer Hand abzählen lassen, sind besonders die Waldwege mein Revier, wenn es mal nicht auf den Asphalt geht. Und letzteren habe ich nun schon einige Zeit nicht mehr gesehen. Halt, das stimmt nicht ganz. Es hat sich etwas geändert! Denn mit dem Grail denke ich ganz anders, ganz neu, wenn ich auf dem Rad sitze. Ich kann nämlich alles und überall fahren – das Spektrum der Möglichkeiten ist unglaublich. Ob mal kurz auf der Straße (eben statt 35 nur 32.5 Km/h wegen der Reifen) oder dann mit hohem Tempo durch den Wald. Alles ist möglich, das Bike passt hierhin und dorthin. Das ist für mich wie Radfahren 2.0. Und der Nebeneffekt? Mein Entdeckergeist ist wieder erwacht. Fast würde ich sagen: ich denke wieder beim Radfahren. Frischzellenkur für Körper und Geist, Naturerlebnisse garantiert.

Gravel steht für Kies – Freude am Fahren auf allen Belägen.

Stimulation für die Sinne

Alles in allem, und nun sind es schon bald 1.000 Kilometer, ist diese Kombination aus Straßenrad und MTB genau das, was ein Naturfan wie ich gebraucht habe. Danke! Und vielleicht hast du nun auch eine Alternative zu dem Touren-Einheitsbrei – mit dem Gewürz “Gravel” könnte wieder richtig Schärfe in des Radlers Geist- und Körpernahrung kommen. Viel Spaß dabei!

Ein völlig subjektiver und nicht fremd-finanzierter Erfahrungsbericht.