Triathlon: Bewegungsökonomie für bessere Leistungen

Wenn der Mensch ökonomisch handelt, bedeutet dies, dass er schonend mit den vorhandenen Ressourcen umgeht. Da es im Ausdauersport ebenfalls darum geht, mit den vorhanden Mitteln das beste Ergebnis zu erzielen, spielt die Ökonomie der Bewegung ein gewichtige Rolle.

Teil 1/2: Einführung in das Thema Bewegungsökonomie (hier)

Teil 2/2: Praktische Übungen für eine bessere Bewegungsökonomie >> KLICK

Als Reinhold Messner vor rund 31 Jahren das Abenteuer wagte, den Mount Everest ohne die Nutzung eines Sauerstoffgerätes zu bezwingen, war den Experten klar, dass er nie wieder lebend zurückkommen würde. Umso spektakulärer war seine erfolgreiche Rückkehr in das Basiscamp im Himalaja. Messner hat Grenzen verschoben. Doch war er verrückt oder gar lebensmüde? Sicher nicht. Vielmehr hat er seine Unternehmung gründlich geplant. Mit minimalem Gepäck, nur gerade ausreichender Ernährung bepackt und unter Zuhilfenahme nur der nötigsten Ausrüstung war die erfolgreiche Besteigung möglich. Und nicht zuletzt mit einem hochtrainierten Organismus, der sowohl energetisch wie koordinativ perfekt getrimmt war.

Extremsituation erfordert gute Abstimmung

Leistungen in Extremsituationen können folgerichtig nur dann vollbracht werden, wenn alle Systeme optimal aufeinander abgestimmt sind. Das geht vom Material über die Ernährung bis hin zum wichtigsten Bereich, dem eigenen Organismus. Und immer, wenn man sich in Situationen begibt, in denen Mangelzustände oder Grenzerfahrungen zu erwarten sind, ist eines gefragt: der schonende Umgang mit den vorhandenen Reserven.

Ob in den Wüstengegenden der Sahara oder auf den höchsten Bergen der Welt. Eine auf die Bedürfnisse der Belastung abgestimmte Vorbereitung ist ein absolutes Muß. Die Grundvoraussetzung eines erfolgreichen Abenteuers ist ein Organismus, der unter den zu erwartenden Bedingungen optimal agieren kann. Dazu gehören mentale Fähigkeiten genauso wie physiologische Anpassungen, die man im Regelfall durch gezieltes Training erwirkt.

Triathlon als Mount Everest

Vielleicht bezeichnet man auch deshalb eine Triathlon-Langdistanz als den Mount Everest des „kleinen Mannes“? Denn auch dieses Abenteuer erfordert Ihre ganzen Fähigkeiten, wenn Sie sich an diese Extrembelastung heranwagen. Das muß gar keine Langdistanz sein. Schon der Einstieg in den Triathlonsport über eine Volks- oder olympische Distanz kann abenteuerlich sein. Auf welche Distanz es Sie auch immer zieht – Ihr Leistungslimit wird besonders durch eine Eigenschaft bestimmt: die Ökonomie Ihrer Bewegung!

Stellen Sie sich Ihren Körper einmal vor wie ein Orchester. Da kommen viele begabte Musiker (Muskulatur, Organe usw.) zusammen, die plötzlich ein neues Musikstück einüben sollen. Ohne Anleitung eines talentierten Dirigenten wahrscheinlich kein Ohrenschmaus und auch bei den ersten Versuchen vielleicht eher ein ungewöhnliches Hörerlebnis. Falsche Töne und unpassende Zeitpunkte des Einsatzes lassen keinen Rhythmus entstehen. Erst die Abstimmung verschiedener Instrumente bringt das Musikstück in den Fluss. Harmonie entsteht. Sie kennen dieses Gefühl aus dem Sport, wenn sich die Bewegung plötzlich leicht und geschmeidig anfühlt. Wie im Fluß eben – Flow entsteht. In diesen Momenten erleben Sie, wie leicht es sein kann, wenn die beanspruchten Systeme perfekt miteinander, statt durcheinander oder gar gegeneinander, arbeiten.

Das Orchester (ab-)stimmen

Bildlich wie in einem Orchester gilt es im Triathlon, den richtigen muskulären Einsatz zur richtigen Zeit, in der richtigen Länge und in der optimalen Stärke zu finden. Ihr Dirigent, das motorische Areal im Gehirn, hat aber im Stadium des Lernens leider die Angewohnheit immer auf Nummer Sicher zu gehen. Wenn Sie nämlich eine neue Bewegung erlernen, wird Ihr Dirigent immer darauf achten, den beanspruchten Muskeln Helfer zur Seite zu stellen. Diese Helfer treten meistens in Form der sogenannten Synergisten auf. Das sind Muskeln, die an der eigentlichen Bewegungsausführung gar nicht unmittelbar beteiligt sind, aber z.B. für die Stabilisierung des Gelenkes sorgen. Schließlich merkt das Gehirn deutlich, wie ungewohnt die Bewegung ist und schützt Sie mittels der Aktivierung der Synergisten vor Verletzungen. Dies führt aber leider dazu, dass die Bewegungen unrund sind. Gerade am Anfang des Lernprozesses steht die Stabilisierung im Vordergrund. Es sind also viel zu viele Instrumente beteiligt, um echte Harmonie entstehen zu lasen.

Ungewohntes erstaunt

Probieren Sie es mal aus: setzen Sie sich auf einen Stuhl und werfen Sie einen Tennisball in einen Papierkorb, der ca. zwei Meter von Ihnen entfernt steht. Elegant werden Sie diese Aufgabe mit einer lockeren Bewegung aus dem Schulter- und Handgelenk absolvieren. Wiederholen Sie diese Übung nun mit dem „schlechten“ Wurfarm und sie werden bemerken, wie rapide Ihre Erfolgsquote fällt und Ihre Bewegungsausführung alles andere als gekonnt ist. Ihr Gehirn hat, ohne dass es bewusst wurde, einige Stabilisierungsmuskeln in die Bewegung eingebaut. Der elegante Schwung, der Ihre Bewegung sonst auszeichnet, ist auf einmal nicht mehr vorhanden.

Weniger Muskeln aktivieren

Im Laufe der Zeit reduziert sich mit Ihrem zunehmenden motorischen Fähigkeiten die Anzahl der Unterstützer (Synergisten). Und das ist auch gut so! Denn je mehr Muskeln an einer Bewegung beteiligt sind desto größer wird der Energieaufwand. Eine feinmotorische Bewegungsausführung zeigt sich deshalb vor allem durch den perfekt aufeinander abgestimmten Einsatz der zur Leistungserbringung notwendigen Muskeln. Deshalb sehen Bewegungen von Weltklassesportlern wie Michael Phelps oder Haile Gebrselassie so leicht aus. Sie haben es geschafft, ihr inneres Orchester in allen Bereichen bis zum Optimum hin abzustimmen.

Auch im Triathlon sind Sie, fast wie im Himalaja, auf sich allein gestellt. Bereiten Sie Ihr Equipment so gut es geht vor und entwickeln Sie eine leistungsstarke Maschine. Tunen Sie Ihren Organismus zu einem agilen und ökonomischen Aggregat, dass energieschonend und schnell zugleich funktioniert.

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