Buch-Empfehlung: Change als Chance

Schon wieder ein Motivations- und Erfolgs-Ratgeber? Ich war neugierig und kaufte mir das Buch von Slatco Sterzenbach „Change als Chance“, um zu sehen, wie ein Sportler mit der Thematik umgeht, der zugleich erfolgreicher Speaker ist und seit Jahren zu den Top-Acts in seiner Branche zählt.

Change, die Veränderung, ist auch im Sport allgegenwärtig. Und die Chancen sind es auch, weshalb dieses Buch eine Pflichtlektüre für mich sein sollte. Doch manch´ Pflicht kann auch leicht von der Hand gehen, wie ich feststellen durfte.

Bücher zum umfassenden Thema Motivation lese ich seit mittlerweile 20 Jahren. Sie gehören zur Allgemeinbildung von Trainern und Coaches. Schließlich ist die Expertise eines Trainers immer auch abhängig von der Leistung seiner Schützlinge. Und je mehr der Coach über den individuellen Zugang zur Motivation weiß, desto besser kann er die Potenziale seiner Schützlinge aufspüren und zur Entfaltung bringen. Ein erfolgreicher Trainer muss deutlich mehr Instrumente beherrschen, als gute Trainingspläne schreiben zu können. Wer sich mit der Psychologie der individuellen Leistung, d.h. der Typologie, nicht beschäftigt, wird früher oder später als Coach (oder auch als Athlet) scheitern. In manchem Sportverband ist dieses Dilemma (gerade ganz aktuell) gut erkennbar – aus meiner Sicht häufig der Kern des Scheiterns. Leistung ist eben nicht immer berechenbar und schon gar nicht ausschließlich die logische Folge von Leistungsdiagnostiken, Wattwerten und anderen rational zugänglichen Erscheinungsformen. Egal ob die Lehren NLP, DISG, MBTI oder Insights heißen – es gilt, offen zu sein. Je mehr Inspirationen man sich holt, umso besser kann daraus man sein eigenes Extrakt, quasi den Zaubertrank, destillieren. Und so gehört die Lektüre solcher Bücher eben auch dazu.

Doch eine Sache hat mich immer gestört! In den meisten Büchern las ich immer von logisch klingenden Erfolgsrezepten nach dem Motto „tue dies und das wird geschehen“. Die Köpfe hinter den sehr rational anmutenden Ansätzen haben m.E. einen falschen Weg eingeschlagen. Zu viel Lehre. Nachhaltig kann das selten sein. Was nach dem Lesen und Studieren dieser Werke häufig wie eine Motivationslawine über den Leser kurzfristig hereinbricht, entpuppte sich nach einer persönlichen Machbarkeitsstudie im Regelfall als nicht umsetzbar, weil eben nicht individuell auf die Situation, den Menschen, das Individuum angepaßt. Wie kann es das auch?

Wie geht nun ein Autor, Sportwissenschaftler und mehrfacher Ironman-Finisher mit diesem Thema um? Das hat mich interessiert und so habe ich mich hineingelesen in die Welt von Slatco Sterzenbach. Zunächst wußte ich nicht so recht, wie ich mit den Darstellungen der, zweifellos interessanten und vielfältigen, persönlichen Erfolgs- und Misserfolgsgeschichten des Autors umgehen soll. Fast war es mir zu persönlich. Nach dem ersten Weglegen des Buches und meiner ersten eigenen Zusammenfassung in meinem Notizbuch, wußte ich dann warum das so wichtig ist: Lernen durch Erfahrungen. Und plötzlich wollte ich mehr erfahren.

Slatco Sterzenbach zeigt auf, dass es eben keine allgemein gültigen Regeln, keine Rezepte gibt. Wichtig sind vor allem die eigenen Erfahrungen und, noch viel wichtiger, sie zu reflektieren und Lehren daraus zu ziehen. Da wird es mit Abkürzungen zum persönlichen Erfolg schwierig – auch das ist eine wichtige Message.

„Das Leben darf leicht sein!“ – dies ist einer meiner Kernsätze aus diesem Buch, welches seinen Eingang in mein Ideen- und Skizzenbuch gefunden hat. Richtig, es muss nicht immer alles mit überernstem Ansatz zurechtgebogen werden. Die besten Momente sind schließlich die, in denen es leicht ging. Doch dafür bedarf es immenser Vorarbeit und Fleiß. Von alleine geht es eben auch nicht. Und da sind wir wieder beim Zugang zu den Motivationszentren, den Motiven, dem persönlichen Antrieb.

Ich habe einige starke Sätze gefunden, die Menschen, die nicht aus dem Sport kommen, vielleicht nicht verstehen oder eventuell anders interpretieren. Denn der Sport ist im Regelfall ein fairer Richter und ein gnadenloser Feedback-Geber der eigenen Leistung.

Beispiel: Er brauche keine Feedbacks nach Veranstaltungen, er wisse selber, wann er exzellent, gut oder weniger gut war, erfährt der Leser. Das klingt vielleicht überheblich – ich mußte schmunzeln, weil ich selber so verfahre. Sicher kein Kuschelkurs sich selbst gegenüber. Es kann nämlich auch bedeuten, sich noch intensiver und schonungsloser mit seiner Leistung auseinanderzusetzen. Erfahrene Sportler kennen das. Das Ergebnis des sportlichen Wettkampfs zeigt es faktisch auf: so war deine Leistung heute! Und manchmal weißt du eben auch, dass du es gnadenlos vergeigt hast. Daraus entsteht persönliche Stärke, vielleicht sogar ein Schutzpanzer. Das macht den Sportler zu dem was er ist. Erfolg und Niederlagen – alles gehört dazu. Das ist die Analogie zum Leben.

Ich habe aus diesem Buch viele Dinge herausgezogen und stelle selber immer wieder fest, wie wichtig es ist, den Menschen Ideen, Anstöße und Inspiration mit auf den Weg zu geben. Nur daraus entsteht ein gesunder Wachstums- oder Veränderungsprozess. Das ist kompetentes Coaching – mal steht der Coach hinter seinem Schützling, mal begleitend neben ihm und mal stellt er sich vor ihn.

Mit vielen Anregungen versehen und mit dem klaren Blick auf das Umsetzbare hatte ich viele schöne Momente mit diesem Buch. Empfehlenswert, nicht nur für Sportler!


Aktuell zum Thema, wie man mit seinen Schützlingen umgehen kann, soll oder auch nicht:

„Deutschlands Schwimmer streiten über die zentrale Frage“

 

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