swim 23: Schwimmen als ambitionierte Lifetime-Sportart – Faszination Masterssport

Für die aktuelle swim 23 habe ich mich wieder mit einem sehr interessanten Thema auseinander gesetzt: das ambitionierte Masters-Training. D.h. konkret also mit den Altersklassen ab 25 Jahren und deren unterschiedlichen Trainingsaspekte. Schließlich gilt es, mit fortschreitendem Alter andere Trainingsmethoden zu verwenden. Hier ein Auszug aus dem Artikel, der ergänzt wird von Trainingsplänen für Pool- und Freiwasserschwimmer. Schnell zum Kiosk!

Effektives Training für Mastersschwimmer

Was früher ein wenig despektierlich noch Seniorensport genannt wurde, hat sich in den vergangen zwei Jahrzehnten zu einem leistungsorientierten Spezialgebiet gemausert: der Mastersschwimmsport. Zeit für spezifische Fragestellungen und adäquate Trainingskonzepte.

Von Holger Lüning

Vielleicht erinnern Sie sich noch an die Achtzigerjahre als der damals als Seniorenschwimmsport bekannte Bereich zwar ambitioniert betrieben wurde, jedoch in der Außendarstellung noch nicht so Ernst genommen wurde. Selbst die Verbände schienen dereinst das enorme Potenzial derer Schwimmer zu verkennen, die auch nach Beendigung einer stark leistungssportlich geprägten Zeit noch immer die Lust verspüren, möglichst schnell schwimmen zu wollen. Mehr und mehr kamen ehemalige Top-Athleten in den Kreis ihrer Altersgruppen zurück und forcierten damit das Ansehen des zum Masterssport umbenannten Altersklassensports. Es hat sich viel getan! Und das ist gut so.

Mit einer Mischung aus Erfahrung, gesundem Ehrgeiz und persönlichen Ambitionen, dokumentieren die Mastersschwimmer, ähnlich wie im Triathlon, dass man auch jenseits des statistisch geprägten Hochleistungsalters durchaus noch nach individuellen Bestleistungen streben darf. Dort, wo regelmäßiges Sporttreiben früher als optionales und teilweise Zeit vergeudendes Freizeitvergnügen eingestuft wurde, steigt die Akzeptanz für leistungsorientierte Sportenthusiasten, die das Jugendalter bereits deutlich hinter sich gelassen haben, zusehends.

Für den Masterssportler stellt sich mit zunehmender Reife vor allem eine Frage: wie trainiere ich effektiv angesichts des Älterwerdens und der damit verbunden Veränderungen? Die Wissenschaft kennt darauf noch wenig Antworten. Die Studienlage ist sehr dünn, da die Umsetzung einer wissenschaftlichen Untersuchung bei berufstätigen Menschen einfach deutlich schwieriger realisierbar ist, als beispielsweise bei Studenten oder Leistungssportlern, die man für eine zeitlich begrenzte Periode deutlich leichter als Testkollektiv zusammenführen kann. Deshalb wird ganz häufig das gemacht, was nahe liegt. Man stützt sich auf vorhandene Erkenntnisse, die aus Untersuchungen an jungen Menschen stammen.

Kann man aber einen vierzigjährigen, berufstätigen Schwimmsportler mit einem zwanzigjährigen Sportler vergleichen und im Training dieselben Prinzipien anwenden?

Schaut man sich den Entwicklungsprozess des Menschen einmal an, so wird unmissverständlich deutlich, dass man nach einer ungefähr dreißigjährigen Phase des Aufbaus von Strukturen, in eine neue Zeitrechnung übertritt: die Zeit des zunehmenden Verschleißes und der degenerativen Entwicklungen. Das hört sich zunächst schlimmer an als es ist, bedarf aber eines modifizierten Trainingsansatzes. Dort, wo Sie sich z.B. als Zwanzigjähriger nach einer harten Trainingseinheit quasi über Nacht regeneriert haben, benötigen Sie einige Jahrzehnte später vielleicht die doppelte Zeitspanne. Und wahrscheinlich sind Sie gut beraten, diese Prozesse durch eine gesunde Lebensführung und andere Änderungen im Lebensregime zusätzlich zu unterstützen. Fazit: das Training muss reorganisiert und überdacht werden, da es zunehmend mit katabolen (abbauenden) und weniger mit anabolen (aufbauenden) Prozessen konfrontiert wird!

Doch genug der Theorie. Wie kann ein modifiziertes Training denn nun konkret in der Praxis aussehen? Wie kann man als ambitionierter Mastersschwimmer seine Zeiten halten oder vielleicht sogar noch einmal nach einer Bestzeit trachten? Blickt man in die Teilbereiche der schwimmerischen Gesamtleistung, so ergeben sich bei einer Konzentration auf die acht Big-Points deutlich mehr Chancen als man vielleicht zunächst vermuten möchte.

 

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