Warum man auch dem Weltrekordler nicht trauen darf (Teil 2)

Im zweiten der Teil der „Videos, denen man nicht trauen sollte“ (Teil 1 klick), sehen wir den Welterkordler und Ex-Olympiasieger über 50m Freistil Florent Manaudou aus Frankreich. Sponsor Speedo hat hier aus meiner Sicht eines der schlechtesten Videos der aktuellen Zeit erstellt.

Hier schwimmt ein zwei Meter großer und einhundert Kilogramm schwerer Athlet in Zeitlupentempo durch das Wasser und hat dabei Mühe, überhaupt die Balance zu halten. Sieht man sich diese Screenshots an, so wird das Dilemma deutlich. Im Vergleich zu Leichtathletik wäre das in etwa so, als würde man Usain Bolt über 1.500 Meter laufen lassen und behaupten, weil er der schnellste Läufer der Welt ist, sei das offensichtlich die beste Technik für Jedermann und auf jeder Distanz.

Jeder weiß, wie wenig dieser Vergleich statthaft ist und wie unglücklich ein Supersprinter in der Rolle eines Mittelstreckler aussehen würde. Hier haben die Marketing-Leute nicht mit den Schwimm-Experten gesprochen und das Ergebnis ist ein wahrlich ungutes Video.

Genauso wie bei Usain Bolt als Mittelstreckler verhält es sich bei diesem Beispiel. Da schaukelt der bedauernswerte Manaudou im Wasser umher, ohne auch nur annähernd auf das Tempo zu kommen, welches ihm gerecht wird, welches seiner Technik und seiner Kraft entspricht und welches er benötigt, um den schweren Athletenkörper in eine gute Wasserlage zu befördern. 

Dieses Video ist vor allem deshalb irreführend, da der Franzose (ich konnte ihn mehrfach auf Teneriffa beim Training beobachten) im normalen Modus eine völlig andere Technik einsetzt. Hier „wankt“ er im Abschlagmodus (wer glaubt denn ernsthaft, dass er normalerweise so schwimmen würde!) schwankend vor sich. Man hat fast Mitleid mit dem Highspeed-Sprinter! Übrigens gibt sein Coach die Devise aus, keine Strecke länger als 200 bis maximal 400 Meter im Training zu schwimmen, um die Sprintermuskulatur und die spezielle Sprinter-Technik nicht negativ zu beeinflussen. 


Auch hier gilt also: bitte genau hinschauen (besser HINEINschauen) und nicht kritiklos annehmen, nur weil es sich um einen Top-Schwimmer handelt. Es ist nicht alles gut, was Spitzenkönner zeigen (müssen).

Und an Speedo gerichtet: das könnt ihr sicher besser! 

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