Schwimmtechnik: Säugetier vs. Fisch

Säugetier schwimmt, Fisch taucht! So kann man das Thema schnell zusammenfassen. Denn leider gibt es immer noch zu viele Sportler (und leider auch Trainer), die der Idee verfallen sind, das Nachahmen der Tauchtechnik eines Fischs könnte eine gute Idee für eine Schwimmtechnik sein. Ist es aber nicht!

Ganz im Gegenteil. Wer glaubt, die Widerstände damit optimieren zu können, der sieht nicht, dass ein hin-und-her-Schwingen des Beckens deutlich mehr Widerstände erzeugt als eine ruhige, mehr oder weniger waagrechte Lage (Foto links). Im Foto (rechts) unten sieht man z.B. die typische Reaktion, nämlich dass in der Schräglage die Beine korrigieren und die Arme in einer falschen Position eingesetzt werden.

In der Durchführung der Extreme (siehe Übung unten) zeigt sich schon beim einfachen Nachahmen die Problematik der Seitenlage und der damit verbundenen Reduzierung der Tragfläche. Auch ein Blick in ein Biologiebuch zeigt deutlich, warum es Unterschiede in der Bauart der “Wassertiere” gibt. So kennzeichnet Fische eine senkrecht gestellte, Säugetiere hingegen eine waagrecht positionierte Schwanzflosse. Und da der Mensch als Säugetier eine wichtige Aktion im Wasser durchzuführen hat, die ihn mit den Delfinen und Walen verbindet, sollte er ebenfalls tendenziell waagrecht im Wasser liegen. Der Hintergrund? Nur die waagrechte Stellung erzeugt eine Tragfläche, die uns an die Wasseroberfläche bringt. Und was machen Säugetiere dort? Atmen! Diese Notwendigkeit unterscheidet die Antriebskonzepte von Fischen und Säugetieren fundamental! Deshalb ist die Unterseite beim Hai z.B. auch spitz zulaufend und beim Delfin flächig. Viele Fische müssen deshalb auch ständig in Bewegung sein, da sie sonst absinken. Sie mögen zwar schnell sein, sind als Kiemenatmer jedoch ein denkbar ungünstiges Vorbild für die Spezies Mensch.

Zudem kann man aus der Schräglage keinen optimalen Zug Unterwasser ansetzen (Foto rechts). Rein biomechanisch und gemäß der idealen Positionierung der Hebel (= Antriebselemente) unmöglich. Das lässt sich anhand zahlreicher Modelle belegen. Das ist u.a. auch ein Grund, weshalb ein übermäßig rotierender Schwimmer nicht schnell schwimmen kann. Die Antriebsflächen können in Seitlage nicht mehr in die korrekte Position gebracht werden, um einen vortriebsrelevanten Impuls zu erzeugen. Es sprechen viele Gründe gegen das Modell “swim like a fish”. 

Einfache Übungen, die die Prinzipien in ihren Extremen gegenüber stellen, sind dabei eine geeignete Methode, um Ideen zu überprüfen und Unterschiede zu identifizieren. Probier´s aus!

Wasserlage im Schwimmen

6 Gedanken zu „Schwimmtechnik: Säugetier vs. Fisch

  • 5. Dezember 2015 um 15:02
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    Lieber Holger,

    …..ich teile deine Meinung schon lange!

    Gruß
    Ulrike

    Antwort
    • 20. Dezember 2015 um 9:50
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      Liebe Ulrike,
      vielen Dank. Ja, die Gesetze der Physik sprechen eine klare Sprache! Und das Gefühl bestätigt sie dann.
      Viele Grüße
      Holger

      Antwort
  • 19. Februar 2018 um 22:46
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    Hallo,
    ich hatte vor einigen Tagen einen TI Kurs besucht. Dort wurde zwar von einer leichten Rotation gesprochen, in der Video-Analyse aber bei fast allen die Rotation korrigiert in Richtung “weniger”. Es wurde von einer Rotation von maximal 30 Grad gesprochen. Die Behauptung, bei TI würde eine Lage gelehrt wie auf dem rechten Bild gezeigt, ist also falsch.

    Ich weiß, der Post ist schon alt, aber immer noch bei Google Suche zum Thema Total Immersion und Triathlon auf Seite eins der Ergebnisse.

    Viele Grüße,
    Dieter

    Antwort
    • 20. Februar 2018 um 13:12
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      Hallo Dieter,
      vielen Dank für deinen Hinweis. Ich habe den Zusatz aus dem Artikel entfernt. Es geht hier vor allem darum, das Prinzip zu verdeutlichen – und das geht mit den Extremen meistens recht anschaulich. Deshalb war es so gewählt.
      Eine Rotation im Beckenbereich ist aber nach wie vor immer eine Reaktion und keine Aktion. Die Aktion geht immer von den Antriebselementen aus und kann nicht über eine Rotation initiiert werden. Da ist biomechanisch gut zu begründen.
      Hauptsache, du hast aber die Freude an diesem Sport gefunden. Das steht an erster Stelle!
      Viele Grüße
      Holger

      Antwort
  • 18. Juli 2018 um 9:50
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    Es ist schon toll, aus Fotos von ” Drills” mit denen man bestimmte Fertigkeiten trainiert, auf den gesamten Schwimmstil Rückschlüsse zu ziehen.
    Wer einen TI Kurs besucht, und nicht nur die allerältesten Gratis Videos von YouTube kennt, weiss, dass Körperrotation unterrichtet wird, und diese in einem Winkel von ca. 30 Grad geschieht.
    Jedem seine Meinung, aber man sollte schon ein wenig informiert sein, ehe man einen Schwimmstil, von dem erwieserermaßen sehr viele Menschen profitieren, dermassen abwertet.

    Antwort
    • 20. Juli 2018 um 10:49
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      Liebe Dagmar,
      vielen Dank für den Kommentar, der in sich ja schon einige Interpretationen beinhaltet. Mit ist bewusst, mit diesen Vergleichen diejenigen auf den Plan zu rufen, die nach diesen oder ähnlichen Methoden (von denen keine explizit genannt wurde) lehren.
      Die Sorge, ich sei ungenügend informiert, kann ich guten Gewissens zurückweisen. Bei weit über 2.000 Schwimm-Analysen und hydrodynamischen wie auch biomechanischen Untersuchungen, liegt umfangreiches empirisches Material vor, um die ein oder andere Technik-Idee einer kritischen Prüfung zu unterziehen. Um bildhaft darzustellen, welche Problemfelder auftauchen können, hilft es dabei, in das Extrem zu gehen – so wie das in diesem Beispiel geschehen ist.
      Dennoch freue ich mich, wenn es Menschen, Trainern, Übungsleitern gelingt, anderen Menschen die Begeisterung für den Schwimmsport zu vermitteln. Dabei wünsche ich viel Glück, denn die Freude an diesem Sport ist der erste Schritt für die weiteren Entwicklungsschritte.
      Viel Erfolg dabei!

      Antwort

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